Alte Obstsorten als Herzstück der Streuobstwiese

Streuobstwiesen leisten einen wichtigen Beitrag zum Arten- und Klimaschutz – und sind zugleich wertvolle Erlebnisräume für Mensch und Tier.

Besonders alte Obstsorten eignen sich hervorragend für Streuobstwiesen. Im Gegensatz zu modernen Hochleistungssorten stehen bei ihnen nicht maximaler Ertrag oder einheitliche Früchte im Vordergrund, sondern Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit. Viele traditionelle Sorten kommen selbst mit schwierigen Wetterbedingungen und Schädlingen gut zurecht und benötigen nur wenig Pflege.

Dazu zählt beispielsweise der Santana-Apfel mit seinen auffälligen rosafarbenen Blüten. Seine Blüten bieten reichlich Nektar für Bienen, Hummeln und andere Insekten. Zudem gilt die Sorte als robust gegenüber vielen Pilzkrankheiten und auch Apfelschorf kann ihr nur wenig anhaben. Ergänzt wird das Sortiment durch den Kulturapfel Pilot, dessen feste Früchte einen angenehm süß-säuerlichen Geschmack besitzen.

Auch Birnen gehören zum Bestand der Wiese. Die Williams-Christ-Birne ist bis heute wegen ihres aromatischen Geschmacks beliebt und gedeiht besonders gut auf nährstoffreichen Lehmböden in mildem Klima. Die Sorte Gute Luise trägt gelb-rote Früchte mit besonders saftigem Fruchtfleisch und wird später im Jahr geerntet.

Bei den Kirschen dominieren robuste Süßkirschsorten wie Büttners Knorpelkirsche und die Hedelfinger Riesenkirsche. Beide gelten als widerstandsfähig und anspruchslos und passen daher gut zu extensiv bewirtschafteten Streuobstwiesen.

Die sonnigen Standorte bieten außerdem ideale Bedingungen für Apfel- und Birnenquitten. Obwohl die Früchte roh kaum genießbar sind, eignen sie sich hervorragend zur Verarbeitung, etwa zu Gelee oder Öl. Ergänzt wird die Vielfalt durch Pflaumensorten wie die Reneklode und die Zimmerpflaume, die selbst mit schwierigen Klimabedingungen und Winterfrost gut zurechtkommen.

Steinhaufen als wertvoller Lebensraum

Neben den Obstbäumen spielt auch die Gestaltung der Fläche eine wichtige Rolle für die Artenvielfalt. Ein Steinhaufen mitten in der Streuobstwiese bietet zahlreichen Tierarten Schutz, Nahrung und Rückzugsorte.

Solche Lesesteinhaufen entstanden früher häufig in der Landwirtschaft, wenn beim Pflügen Steine vom Feld gesammelt und am Rand aufgeschichtet wurden. Heute erkennt man zunehmend ihren hohen ökologischen Wert.

Vor allem Reptilien profitieren von den warmen Steinen. Eidechsen nutzen sie gerne zum Sonnenbaden, während die Hohlräume zwischen den Steinen ideale Verstecke für Schlangen und Schleichen bieten. In den tieferen Bereichen finden viele Tiere außerdem frostfreie Winterquartiere.

Auch Amphibien wie Frösche, Kröten, Molche oder Salamander schätzen die feuchten und geschützten Zwischenräume. Sie bieten tagsüber Schutz vor Austrocknung und dienen gleichzeitig als sichere Rückzugsorte.

Für zahlreiche Insekten sind Steinhaufen ebenfalls attraktive Lebensräume. Wildbienen bauen hier ihre Nester, Hummeln suchen schattige Bereiche auf und Schmetterlinge nutzen die warmen Steine zum Sonnen. Selbst Spinnen und Schnecken finden in den Steinansammlungen ideale Bedingungen.

Besonders wertvoll werden die Steinhaufen, wenn sich Moose und Flechten ansiedeln. Sie schaffen zusätzliche Lebensräume und fördern die ökologische Vielfalt innerhalb der Streuobstwiese weiter.